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Bereiche des Tierversuches
Kosmetik-Test: Giftig und tragisch!
Warum gibt es noch Tierversuche?
Download: Der Tierversuch

Im Jahr 2000 wurden 1.825.215 Tiere in deutschen Laboratorien getötet.
Mehr als die Hälfte (921.000) wurden für die Entwicklung, Herstellung und Prüfung von Arzneimitteln, chemischen Produkten und Pestiziden eingesetzt. Etwa 37%der Gesamttierzahl (679.000) beanspruchte die so genannte Grundlagenforschung. Am häufigsten wurde an Nagetieren experimentiert. Ratten und Mäuse machten zusammen rund 80% der insgesamt verbrauchten Versuchstiere aus. Aber auch Kaninchen, Meerschweinchen, Hunde, Katzen, Affen, Fische, Hühner und viele andere Tierarten werden zu Versuchszwecken verwendet. Diese Zahlen, die das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft jedes Jahr herausgibt, sind nicht vollständig. So fehlen beispielsweise die Tiere aus den Bereichen Studium, Herstellung genetisch veränderter Linien, wirbellose Tiere sowie Tiere, die schon vor dem Versuch, bei Haltung, Zucht und Transport sterben oder getötet werden. Die offiziellen Statistiken sagen auch nichts über das Leid des einzelnen Tieres im Versuch aus.

Bereiche des Tierversuches

1. Arzneimittelforschung und chemische und Kosmetik-Industrie
Nicht nur neue Medikamente werden an Tieren erprobt, sondern auch Chemikalien, Wasch- und Putzmittel, Hautcremes, Suchtmittel, Krankheitserreger, Lebensmittel, Gase, Säuren, Schmiermittel usw. Alles, was in irgendeiner Form mit dem Menschen in Berührung kommt, wird zuvor in Tierexperimenten auf mögliche schädigende Wirkungen getestet, vor allem auf: Giftigkeit (Toxizität), Schädigung der Frucht im Mutterleib (Teratogenität), Erbgutschädigung (Mutagenität), Krebserzeugung (Kanzerogenität). Je nach Produkt werden weitere Tests durchgeführt, z.B. auf reizende und ätzende Eigenschaften, Giftigkeit gegenüber Fischen und schädigende Einflüsse auf die Umwelt.

2. Grundlagenforschung
In der Grundlagenforschung geht es zum Teil um zweckfreie Forschung, die einzig der

Vermehrung des Wissens dient, zum Teil darum, menschliche Krankheiten zu erforschen. Um Symptome der menschlichen Erkrankung zu erzeugen, werden Tiere künstlich krank gemacht. Man unterbricht beispielsweise die Blutzufuhr zum Gehirn, um einen Schlaganfall zu erzeugen, oder pflanzt Tieren Tumore ein.

3. Gentechnik
Genmanipulierte Mäuse und Ratten sollen z.B. Krebs, Alzheimer oder Rheuma bekommen. An ihnen will man die Krankheiten studieren und Therapien für den Menschen entwickeln. Vor allem aus wirtschaftlichen Gründen sollen gentechnisch veränderte "Nutztiere" wie Schweine oder Fische noch schneller wachsen und noch größer werden. Genmanipulierte Schweine sollen außerdem in Zukunft als "Organspender" für Menschen herhalten. Bei der Gentechnik wird mit speziellen Methoden das Erbgut der Tiere verändert. Dies misslingt in vielen Fällen. Genmanipulierte Tiere sterben im Mutterleib oder werden missgebildet geboren.


4. Studium/Ausbildung

Studierende der Biologie, Human- und Tiermedizin müssen an den meisten deutschen Hochschulen im Rahmen ihres Studiums an Tierversuchen teilnehmen oder zuvor getötete Tiere sezieren. Diese Versuche dienen lediglich der Veranschaulichung des theoretischen Lehrstoffs.

5. Weitere Bereiche
Zur Herstellung von Impfstoffen und Seren werden Tieren z.B. Krankheitserreger injiziert. Einige Zeit später wird ihnen Blut abgenommen oder sie werden zur Blutgewinnung getötet. Aus dem Blut werden Antikörper gewonnen. Weiterhin werden bestimmte Viren, Bakterien und Parasiten in Tieren "aufbewahrt". Das heißt, dass beispielsweise bestimmte Magen-Darm-Würmer, die für Forschungszwecke verwendet werden sollen, in lebenden Schweinen gehalten werden. In bestimmten Zeitabständen werden die Wirtstiere getötet und neue infiziert. Auch für die Diagnose einiger Krankheitserreger, wie beispielsweise des Tollwut-Virus, werden Tierversuche durchgeführt.

Kosmetik-Test: Giftig und Tragisch
Peta Faktenblatt
(Quelle: PeTA -People for the ethical Treatments of Animals)

Nach Schätzungen leiden und sterben alljährlich etwa 14 Millionen Tiere allein in den USA in schmerzvollen Tests, um die "Sicherheit" von Kosmetika und Haushaltsprodukten zu bestimmen. (1) Substanzen - von Lidschatten über Seife bis hin zu Möbelpolitur und Backofenreiniger - werden an Kaninchen, Hunden und anderen Tieren getestet, ungeachtet der Tatsache, daß die Testergebnisse in keiner Weise dazu beitragen, Verletzungen oder Erkrankungen beim Menschen zu verhindern oder diese zu behandeln.

Der Draize-Test
Seit 1944 wurde der Draize- Augenreizungstest als Standardtest für Substanzen verwendet, die in das menschliche Auge gelangen könnten. (2) Bei diesem Test werden Substanzen in Form von Flüssigkeiten, Flocken, Körnern oder als Pulver in die Augen einer Gruppe Albino-Kaninchen gebracht. Die Tiere werden in Boxen gepackt, aus denen lediglich ihr Kopf hervorschaut, zur völligen Bewegungslosigkeit verdammt. Sie erhalten während dieser Tests gewöhnlich keinerlei Schmerzmittel. Nachdem man den Tieren die Substanzen in die Augen gebracht hat, protokollieren Labormitarbeiter den Schaden am Augengewebe in bestimmten Zeitabständen über eine Dauer von 72 Stunden. Die Reaktionen auf die Substanzen reichen von geschwollenen Augenlidern, entzündeter Iris, Geschwürbildung, Blutungen und massiven Zerstörungen bis hin zu Erblindung. Während der Tests werden die Augenlider der Kaninchen mit Klammern offen gehalten. Viele Tiere brechen sich das Genick in ihrem Kampf und dem Versuch zu entkommen. Die Labormitarbeiter, die die Draize-Tests durchführen, machen keinerlei Anstalten, die Kaninchen zu behandeln oder Gegenmittel zu den Testsubstanzen zu suchen, daher trägt der Test in keiner Weise dazu bei, mögliche Verletzungen des Menschen zu verhindern oder zu behandeln.

Test der akuten Toxizität

Tests zur akuten Toxizität - gewöhnlich LD50 Test genannt - bestimmen die Menge einer Substanz, die einen Teil einer Gruppe von Testtieren - meist die Hälfte dieser Tiergruppe - tötet.
In diesen Tests wird den Tieren mit Gewalt eine Substanz über eine Röhre in den Magen gepumpt oder über ein Loch, das ihnen in den Hals geschnitten wurde, eingeflößt. Sie kann auch unter die Haut, in eine Vene oder den Bauchfellüberzug injiziert werden, mit dem Essen verabreicht oder über eine Maske eingeatmet werden, oder sie wird in die Augen, in Rektum oder Vagina appliziert. Die Experimentatoren beobachten die Reaktionen der Tiere: u.a. Krämpfe, schwere Atmung, Durchfall, Verstopfung, Abmagerung, Effloreszenz, abnorme Körperhaltung sowie Blutungen aus Augen, Nase oder Mund. Der gängige LD50-Test (Test mit letaler Dosis von 50%) wurde 1927 entwickelt. Die LD50-Testdauer wird fortgeführt, bis 50% der Tiere sterben, gewöhnlich innerhalb von zwei bis vier Wochen.

Alternativen zu Tierversuchen

Tierversuchsfreie Testmethoden haben sich als zuverlässiger und weniger kostspielig erwiesen als Tierversuche. Zu den Alternativmethoden gehören Zellkulturen, Hornhaut- und Hautgewebekulturen, Hühnereimembranen, Horn- haut von Augenbanken sowie ausgeklügelte Computer- und mathematische Modelle. Firmen haben ferner die Wahl, ihre Produkte unter Verwendung der vielen Inhaltsstoffe oder Zutatenkombinationen herzustellen, die von der Vereinigung für Kosmetika, Toilettenartikel und Parfüms als sicher bestimmt wurden.
Letal aber legal
Kosmetik- und Produkttests an Tieren sind vom Gesetz nicht zwingend vorgeschrieben. In den USA verlangt die Nahrungs- und Arzneimittelbehörde (FDA) lediglich, daß jede Zutat in einem kosmetischen Produkt "adequat auf ihre Sicherheit überprüft sein muß", bevor es auf den Markt gebracht wird, oder das Produkt muß mit einem Warnhinweis versehen sein, der besagt, daß es nicht auf seine Sicherheit geprüft wurde. Die FDA besitzt keine Befugnis, irgendwelche speziellen Produkttests zu verlangen. Die Testmethoden werden von den Herstellern der Kosmetika und Haushaltsprodukte festgelegt, wobei die Testdaten nur dazu verwendet werden, die Firmen im Falle einer Klage gegenüber rechtlichen Ansprüchen seitens der Verbraucher zu schützen.
Mitgefühl in Aktion
Eine wachsende Zahl an Herstellern mit sozialem Verantwortungsbewußtsein hat die Grausamkeiten der Tierversuche erkannt. Mehr als 550 Firmen bieten bereits sichere und effektive Kosmetika, Haushaltsprodukte und Artikel des persönlichen Bedarfs an, die nicht an Tieren getestet wurden. Konsumenten spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, grausame Testmethoden abzuschaffen, indem sie nur noch tierversuchsfreie Produkte kaufen und ihren Protest bei denjenigen einlegen, die immernoch Tierversuche durchführen.

(1) Rowan, A.N. Of Mice, Models, & Men: A Critical Evaluation of Animal Research (Albany: State Universitzy of New York Press, 1984).
(2) Pratt, D. Alternatives to Pain in Experiments On Animals (Argus Archives, 1980).
(3) Ibid.

Warum gibt es noch Tierversuche?

• Bei den Konsumenten soll ein Gefühl der Sicherheit und des Vertrauens in neue chemische und pharmazeutische Produkte geweckt werden. Tierversuche erfüllen somit eine Alibi-Funktion: Sie spiegeln eine Unbedenklichkeit von Produkten vor, die in Wahrheit nicht gegeben ist.

• Tierversuche dienen der Risikoabsicherung des Arzneimittelproduzenten. Kommt es zu Zwischenfällen wie unerwünschten Nebenwirkungen bei menschlichen Patienten, ist der Hersteller nicht haftbar, wenn er entsprechende tierexperimentelle Studien vorweisen kann.

• Von Abwasserabgabegesetz bis Wasch- und Reinigungsmittelgesetz schreiben rund 20 deutsche Gesetze und Verordnungen sowie knapp 20 EG-Richtlinien die Durchführung von Tierversuchen vor.

• Zur Erlangung akademischer Titel sind Tierversuche sehr beliebt

• Viele Tierversuche werden aus wissenschaftlicher Neugier, Forscherdrang oder aus Profilierungssucht gemacht. Der Zwang, für Ruhm und Ehre möglichst viele Veröffentlichungen für wissenschaftliche Zeitschriften zu schreiben, treibt so manchen Forscher dazu, immer abwegigere Versuchsanordnungen zu erdenken.

•· Auch die bevorzugte finanzielle Förderung tierexperimenteller Forschungsvorhaben durch Bund, Länder und verschiedene Einrichtungen, wie der deutschen Forschungsgemeinschaft, sind eine Triebfeder zur Durchführung immer wieder neuer Tierversuche.

• Gewohnheit und Routine sind weitere Gründe für das Festhalten an der Methode "Tierversuch". Die eingefahrenen Gleise sind bequemer als das Beschreiten neuer Wege.

• Eine ganze Industrie profitiert vom Tierversuch. Züchter, Händler, Futterlieferanten, Hersteller von Käfigen und Zubehör, Wissenschaftler, Institute usw. - sie alle verdienen an Tierversuchen.

Download: Der Tierversuch

Der Tierversuch
Anwendungsbereiche - Kritik - Forschungsmethoden ohne Tierleid

von Dr. med. Walter Schmidt, 2000


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