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"Von den Tieren wissen wir vermutlich so viel wie die Tiere von uns. Nur haben wir die Fähigkeit und die Mittel, unsere Unwissenheit so herzurichten, dass sie wie Erkenntnis aussieht, indes die armen Tiere mit ihrer Meinung vom Menschen nichts anzufangen wissen, als bestenfalls sie zu haben."

(Alfred Pogar, 1953)

Tiere sind in kindlichen Lebenswelten allseits präsent. Selbst wenn kein Haustier vorhanden ist, wird das Tier in Kinderbüchern, Kinderfernsehprogrammen, als Comicfigur, Stofftier usw. im Leben der Kinder eine Rolle spielen.
Zudem werden Kinder auch mit den Fernsehbildern und Diskussionen der Erwachsenen um Massentierhaltung, Tiertransporte, Tierverbrennungen, BSE usw. konfrontiert.

Daneben gibt es den eher unbewussten alltäglichen Kontakt: Wir alle sind umgeben von Vögeln, Fliegen, Mücken, Bienen, Ameisen, Würmern.... und nicht zuletzt den Tieren die sich auf unseren Tellern wiederfinden.

Im klassischen Sinne ist das Thema Tier schon lange ein Unterrichtsthema, allerdings wird es oft auf der rein naturwissenschaftlichen Ebene abgehandelt (z.B. biologische Aspekte der Anatomie und Arten). Mit Kindern kann und sollte man aber auch ethische und gesellschaftspolitische Grundfragen des Mensch-Tier-Verhältnisses erörtern.

Tierschutz ist von gesamtgesellschaftlichem Interesse.
Der pädagogische Effekt geht über den reinen Umgang mit Tieren hinaus: Tierschutzunterricht stärkt Mitgefühl und Verantwortung und fördert die Sensibilisierung für sämtliche Ethikbereiche.
Tierschutz im Unterricht kann zudem zur Gewaltprävention an Schulen beitragen: Der Tierschutzgedanke vermittelt Toleranz gegenüber anderen Lebensformen und damit auch gegenüber anderen Menschen und Lebenswegen.

Kinder sollten frühzeitig auch im Sinne politischer Bildung eine aus ihren Alltagskonstrukten hervorgehende Sachkompetenz erwerben. Wichtig ist dabei durch eigenes Erleben und Handeln eine Bewusstseinsänderung zu erfahren, weil nur dadurch eine dauerhafte Verhaltensänderung erreicht werden kann. Handlungsorientierter Unterricht muss dabei im Vordergrund stehen.

Tierschutz im Unterricht

Tierschutz, der aufgrund der Aufnahme im Grundgesetz als weiteres Staatsziel gilt, wird weder in der Lehrerausbildung thematisiert, noch ist er in den Lehrplänen und Richtlinen der deutschen Bundesländer aufgeführt. In aktuellen Lehrbüchern findet man dagegen immer noch Beiträge, die dem Tierschutzgedanken widersprechen (z.B. Einzelhaltung von Vögeln und Kleintieren, kleine Käfige und Goldfischgläser, wissenschaftlich widerlegte Aussagen usw.).
Bislang sind egagierte LehrerInnen beim Thema Tierschutz noch auf sich allein gestellt.
Tierschutz im Unterricht kann nicht als isolierter Fachbereich angesehen werden, sondern sollte fächerübergreifend aus dem jeweiligen Themenkomplex des Unterrichts (z.B. Ernährung, Haltung von Tieren, Bauernhof ect.) behandelt werden. Das Mensch-Tier Verhältnis unterliegt auch bei LehrerInnen differenzierten Weltanschauungen und kann daher nur als offenenes, "objektives" Informationsangebot vermittelt werde. Einseitige Informationen oder Ideologien haben in einem Unterricht, der Kinder zu verantwortungsvollen und mündigen Bürgern erziehen soll, nichts verloren!
Tierschutz im Unterricht darf weder auf "möglichst große Betroffenheit" der Kinder, noch auf den "erhobenen Zeigefinger" aufgebaut sein. Kinder und Jugendliche sollen und müssen sich ihre(!) eigene Meinung bilden, um gesellschaftlich relevant agieren zu können.
Die Unterrichtsthemen müssen altersgerecht aufbereitet sein, emotionale Überforderung vermeiden und für die Kinder nachvollziebare Alternativen aufzeigen.