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Historie der Vogelhaltung
Papageien und Sittiche
Finkenvögel
Beo & Co.

Vögel definieren sich in ihrer Art nicht durch die Flugfähigkeit, sondern aufgrund ihres spezifischen Federkleides. Ein weiteres Charakteristikum ist, dass Vögel keine Einzelgänger sind. Sie leben in Schwärmen und Sozialverbänden zusammen. Die Haltung von Vögeln als Haustiere hat eine lange Tradition, wobei das Wissen über die Bedürfnisse der Tiere ständig erweitert wurde. Und dennoch leben in unseren Haushalten Millionen von Vögeln unter tierschutzwidrigen Bedingungen, fristen ein jämmerliches Dasein in zu kleinen Käfigen und ohne Kontakt zu Artgenossen. Diese Zustände kann man heute nicht mehr auf Unwissenheit der Besitzer zurückführen, sondern lediglich auf deren Egoismus und Gedankenlosigkeit.



Historie der Vogelhaltung

Die ersten Vögel wurden als Nahrungs- und Federlieferant für den Menschen gehalten, aber bereits in den antiken Werken griechischer Schriftsteller wurden Vögel als Haustiere erwähnt. Auch die Fähigkeit einiger Vögel, die menschliche Sprache zu imitieren, war bei den alten Griechen bekannt. Da die Papageien aber erst durch dem Indienfeldzug Alexander des Großen nach Europa kamen, hielten die Griechen bis dahin vorzugsweise Raben und Dohlen. Nach den Schriften Plinius des Älteren versuchten die Römer bereits Papageien systematisch das Sprechen beizubringen. Der Reiz des Exotischen, die Gefiederfarben und Federformen und vor allem ihr Gesang und ihre Begabung zur Nachahmung machte sie vom Hofe der Incas über die Pharaonen bis zu den einfachen Bürgern des 18. Jahrhunderts zu begehrten Haustieren. Sie wurden im alten Griechenland als Schmuck auf Festumzügen (z.B. der Beo als "heilige Atzel") genutzt, dienten an Bändern festgebunden Kindern als Spielzeug, wurden bei den römischen Barbieren zur Unterhaltung der Kundschaft gehalten, mussten in winzigen Holzkäfigen ihr Talent als Sänger beweisen und hatten (und haben!) ein erbärmliches Leben in verschnörkelt geformten Käfigen als Status- und Dekorationsobjekt.

Papageien und Sittiche

Es gibt hunderte verschiedene Papageienarten. Seit sich die Europäer vor einem halben Jahrtausend aufmachten, die Welt zu erkunden, sind Papageien auch in mittel- und nordeuropäischen sowie nordamerikanischen Volieren zu finden. Die bekanntesten Papageienvögel sind sicherlich der Wellensittich und der Nymphensittich, die ursprünglich aus Australien stammen. Aber auch der Graupapagei aus Afrika und die großen Aras und Amazonen aus Mittel- und Südamerika sind allseits bekannt bekannt.
Über 100 Papageienarten sind mittlerweile vom Aussterben bedroht. Der natürliche Lebensraum der Tiere wird durch problematische Umweltnutzung immer weiter eingeschränkt. Hinzu kommen die Jagd und der internationale Tierhandel, der die Populationen weiter dezimiert. Beim Papageienhandel entstehen aufgrund brutaler Fangmethoden, unzureichender Versorgung, extremer Belastung während Transport und Quarantäne hohe Tierverluste. Für jeden wildgefangenen Papageien, der bei uns als Haustier lebt, müssen bis zu neun andere Papageien sinnlos sterben. Besonders viele Tiere erleiden beim Wildtierschmuggel einen qualvollen Tod.


Unter Tierschutzaspekten ist die Papageienhaltung als bedenklich anzusehen, da eine artgerechte Versorgung und Unterbringung der Tiere nur in den seltensten Fällen gewährleistet werden kann. Papageien sind ausgesprochen soziale Vögel. Als Wildtiere (das gilt gleichermaßen für Nachzuchten!) können sie sich nicht an ein Leben ohne Artgenossen gewöhnen. Der menschliche Partner kann, auch bei größter Fürsoge und Zeitaufwand, einen Artgenossen nicht ersetzen! Papageien sin hochintelligente und sensible Tiere, die unter falscher Haltung exrem leiden und physischen und psychischen Schaden nehmen. Aus der Einzelhaltung resultieren oft schwerwiegende Verhaltensstörungen wie Federrupfen, Selbstverstümmelung, Bewegungsstereotypien und Aggressionen, die bis zum elenden Verenden des Vogels führen können. Doch auch wenn Einzeltiere keine auffälligen Symtome zeigen ist sicher, dass sie unter der Haltung leiden und ihre Besitzer sich der Tierquälerei schuldig machen.

Für die Unterbringung von Papageienvögeln sind die handelsüblichen Papageienkäfige undiskutabel. Ein Irrglaube ist auch, dass kleinere Vögel weniger Platz benötigen. Gerade kleinere Papageien sind sehr bewegungsaktiv und müssen täglichen Freiflug erhalten, damit die Flugmuskulatur nicht erlahmt. Größere Arten legen ihre Wege oft kletternd zurück und brauchen unbedingt abwechlungsreiche Kletterbäume. Eine große(!) Voliere, besser ein geräumiges Freifluggehege, gehören zur Grundausstattung der Vogelhaltung.
Die Vögel produzieren ständig einen feinen, weißen staubähnlichen Puder (Keratingranula, eine Substanz der Konturfedern), der sich in der ganzen Wohnung verteilt. Dies kann besonders bei Asthmatikern und Allergikern zu Problemen führen.

Finkenvögel

Während unser einheimischer Girlitz in der Bevölkerung kaum bekannt iat, hat es ein importierter Finkenvogel zu großer Popularität gebracht. Der Girlitz von den Kanarischen Inseln: der Kanarienvogel. Bauern der kanarischen Inseln begannen um 1580 den Girlitz systematisch für den Export zu züchten. Im 17. Jahrhundert gelangte der Kanarienvogel durch Tiroler Bergleute in den Harz. Im Bergbau wurden die Vögel eingesetzt, um die Untertagearbeiter rechtzeitig vor ausströmendem Giftgas zu warnen. Der Kanarienvogel wurde durch seinen Gesang zum beliebten Haustier und ist es in unzähligen Zuchtvariationen bis heute. Für den Kanarienvogel gilt natürlich auch: Keine Einzelhaltung! Unterbringung in geräumiger Voliere!

Ein weiterer bekannter Vertreter der Prachtfinken im Heimtierbereich ist der Zebrafink. In ihrer Heimat leben die wilden Zebrafinken in großen Schwärmen, da sie ausgesprochen gesellig sind. Deshalb sollten sie auch bei uns mindestens zu zweit in der Voliere gehalten werden, Die optimale Haltung stellt eine große Voliere mit mehreren Pärchen dar. Der Standort muss den Tieren Schutz vor Lärm und Zugluft bieten. Da die Tiere recht stressanfällig sind, sollte die Voliere in einem ruhigen Teil des Raumes stehen, wobei eine erhöhte Aufstellung ( Augenhöhe des Menschens) für das Sicherheitsgefühl der Zebrafinken wichtig ist.

Beo & Co.

Der Beo gehört, neben den Bülbüls, Glanzstaren, Weißhaubenhäherlingen usw., zu den Weichfressern. Da er eine große Imitationsgabe von Stimmen und Geräuschen hat, wurde er zu einem beliebten, aber leider oft unüberlegt angeschafften Heimvogel. Viele Beos erlitten das Schicksal von Besitzer zu Besitzer oder auch ins Tierheim zu wandern, weil die Herausforderung an seine Pflege und Ernährungsgewohnheiten (u.a. Insekten und Lebendfutter) unterschätzt wurden.

Der Begriff Beo stammt aus dem Indonesischen und bedeutet soviel wie "Plappermaul". Beos, auch Atzeln genannt, gehören zur Familie der Stare. Kennzeichnend für Beos sind die nackten Hautlappen am Kopf, die durch Form und den gelben Farbton leicht variieren können. Weitere Kennzeichen sind der schwarz-metallische Gefiederglanz und der weiße Flügelspiegel.
Ursprüngliche Heimat dieser Vögel sind die subtropischen Regenwälder Suedostasiens. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Indien und Nepal über Sikkim und Buthan, bis in die östlichen Regionen Chinas. Es reicht über Irma und Thailand bis nach Sumatra und Borneo. Dort leben die Beos, von Natur aus gesellige Tiere, in kleineren Gruppenverbänden zusammen. Ein Beopärchen bleibt in der Regel monogam und ein Leben lang zusammen. Seit der Beo, aufgrund seiner Sprachbegabtheit zum Modetier wurde, wird er oft als Einzelvogel gehalten. Das ist Tierquälerei!

Die ersten Beos gelangten Mitte des 19. Jahrhunderts nach Europa, um in Zoologischen Gärten ausgestellt zu werden.
Auch heute werden noch Wildfänge zur Heimtierhaltung importiert. Von jedem Beoimport erreicht nur jeder zweite Vogel Europa lebend und das meist in gesundheitlich bedenklichem Zustand. Aufgrund der Bestandsgefährdung ist der Beo mittlerweile im Washingtoner Artenschutzabkommen aufgenommen und der Handel mit Wildfängen eingeschränkt worden.