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Körper und Sinne der Katze
Neun Leben hat die Katze...eine allseits bekannte
Aussage, die sich sowohl aus mythologischem
Aberglauben, als auch aus den ausgezeichneten
körperlichen Fähigkeiten der Katzen
entwickelt hat. Allerdings führt eine
Überschätzung dieser Fähigkeit
auch immer wieder zu rücksichtslosem
Verhalten gegenüber den Tieren. So gibt
es den Irrglauben, dass Katzen aus großer
Höhe immer unverletzt auf den Füßen
landen. Sie haben, aufgrund ihrer beweglichen
Wirbelsäule und des ausgeprägten
Gleichgewichtsinnes, die Fähigkeit sich
während des Fallens so zu drehen, dass
sie mit den Füßen zuerst landen,
den sogenannten Stell-Reflex. Allerdings kann
es zu schwerwiegenden bis tödlichen Verletzungen
kommen, wenn die Fallhöhe zu gering ist
(keine Möglichkeit den Stell-Reflex auszuführen)
oder zu hoch ist (der Aufprall kann nicht
mehr abgefedert werden).
Verantwortlich für den Stell-Relex ist
der sogenannte Vestibularapparat, ein Gleichgewichtsorgan
im Innenohr der Katze. Sämtliche Kopfbewegungen
werden dadurch in Beziehung zur Stellung der
übrigen Körperteile gesetzt und
die Katze hat stets eine perfekte Wahrnehmung
ihrer Raumposition. Stürzt die Katze,
sendet der Vestibularapparat Reize an das
Gehirn, die dafür sorgen, dass die Halsmuskeln
den Kopf in der Waagerechten halten.
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Die Katze ist ein Zehengänger.
Sie besitzt an den Vorderpfoten fünf und
an den Hinterpfoten vier Zehen. Die scharfen
Vorderpfotenkrallen behalten ihre nadelspitze
Schärfe, da sie beim Laufen in Hauttaschen
zurückgezogen werden. Die Krallen werden
beim Klettern, Rennen, Töten von Beute,
beim Angriff und zum Schärfen ausgefahren.
Einige Katzen fahren die Krallen im schnellen
Wechsel ein und aus, wenn sie sich wohl fühlen.
Das Krallenwetzen (Schärfen der Krallen)
gehört zum Instinktverhalten der Katze
und kann, trotz Angebot eines speziellen Kratzbaumes,
gelegentlich Spuren auf Möbeln hinterlassen.
In den USA werden Wohnungskatzen von ihren Besitzern
oft die Vorderkrallen operativ entfernt. Diese
tierquälerische Prozedur ist in Deutschland
verboten, da sie den Katzen ihr wichtigstes
Flucht- und Verteidigungsinstrument nimmt. In
freier Natur ist eine krallenlose Katze nicht
überlebensfähig und auch eine Wohnungskatze
wird den Rest ihres Lebens in Unsicherheit verbringen.
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Die extreme Geschmeidigkeit
und Elastizität ihres Körpers und
die Polster der Sohlenballen ermöglichen
der Katze den leisen, schleichenden Gang. Einige
Katzenbesitzer hängen ihrer Katze Halsbänder
mit Glöckchen um, damit von der Katze gejagte
Vögel gewarnt werden. Diese falsch verstandene
Tierliebe bedeutet für die von Natur aus
auf den Schleichgang angewiesene Katze eine
große Quälerei. Die Sohlenballen
der Katzenpfoten dienen zudem als höchst
leistungsfähige Sensoren. Sie besitzen
hochempfindliche Zellen, die auf jede Art von
Druckveränderung und Vibration reagieren.
So kann selbst eine gehörlose Katze mit
ihren Pfoten das Vorbeihuschen einer Maus "hören"
und lange vorm Menschen ein beginnendes Erdbeben
wahrnehmen.
Das Sehvermögen der Katze ist bei Dämmerlicht
wesentlich besser als das der Menschen. Ein
Irrglaube ist allerdings Katzen könnten
auch bei absoluter Dunkelheit sehen. Wie bei
vielen anderen nachtaktiven Tieren hat das Katzenauge
eine Besonderheit: das Tapetum lucidum, eine
reflektierende Schicht auf der Netzhaut.
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Dadurch wird die Empfindlichkeit
erhöht und das entstehende Bild verstärkt.
Die Fähigkeit sowohl in der Dämmerung,
als auch in gleißendem Licht gut sehen
zu können, beruht auch auf der großen
Flexibilität der Muskeln, die die Iris
steuern. Bei hellem Licht zieht sich die Iris
zusammen und lässt die Pupillen zu einem
schmalen Schlitz werden. In der Dämmerung
weitet sich die Pupille bis zu 12 mm und lässt
so mehr Licht auf die Netzhaut an der Augenrückseite.
Auch bei verschiedenen Erregungszustanden verändert
sich die Weite der Katzenpupillen (z.B. verengte
Pupillen bei Spannung u. Aggressivität,
erweiterete Pupillen bei Abwehrbereitschaft
u. Angst). Es wird vermutet, dass die Katze
mit den Augen auch "hören" kann.
Nervenzellen, die andere Tiere nur in den Ohren
haben, melden den akustischen Reiz an das Gehirn.
Dort werden die Signale von Augen und Ohren
zu detailgenauen Hörbildern vereint. Diese
Fähigkeit kann möglicherweise auch
eine Erklärung für den erstaunlichen
Orientierungssinn der Katzen, der dem einer
Brieftaube gleichkommt, sein.
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Das Gehör der Katze ist
ganz auf die Jagd ausgerichtet. Eine Besonderheit
von Katzenohren ist die Fähigkeit Töne
exakt zu lokalisieren. Selbst aus einigen Metern
Entfernung kann die Katze Geräuschquellen
unterscheiden, die nur weige Zentimeter auseinanderliegen,
indem ihr Gehirn die Zeitverzögerung beim
Eintreffen der beiden Geräusche berechnet.
Katzen leben in einer völlig anderen Geräuschwelt
als der Mensch. Sie nehmen Töne bis zu
65 000 Hertz wahr (der Mensch ca. 20 000 Hertz).
Die Ohrmuscheln sind mit vielen Muskeln ausgestattet,
so dass sie einzeln in einem 180° Winkel
in alle Richtungen gedreht werden können.
Abgesehen vom Gehör sind die Ohrmuscheln
auch ein wichtiges Instrument der Körpersprache
von Katzen.
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Ein weiteres wichtiges Kommunikations-
und Orientierungsinstrument sind die Schnurrhaare
der Katze. Mit den extrem empfindlichen Schnurrhaaren
misst die Katze die Breite von Durchgängen,
erspürt Hindernisse und Umweltbedingungen
und kann sich damit auch bei völliger Dunkelheit
sicher im Raum bewegen. Durch unterschiedliche
Stellungen der Schnurrhaare drückt die
Katze zudem ihre Stimmungen aus. Zu Körpersprache
und Ausdruck der Katze finden Sie weitere Information
unter Katzensprache.
Das unglaublich dichte Katzenfell bestehtaus
bis zu 200 Haaren pro Quadratmillimeter. Die
Haarfollikel enthalten Schweißdrüsen,
deren Haupfunktion das Bilden von Revier- und
Sexualduftstoffen ist. Am Kinn, den Ohren und
an der Schwanzwurzel sind diese Drüsen
besonders stark ausgeprägt. Deshalb sieht
man häufig, wie Katzen ihren Kinn an Gegenständen
reiben.
Diese Duft-Schweißdrüsen dienen allerdings
nicht dem Wärmeausgleich. Zum Schwitzen
dienen der Katze lediglich die Drüsen an
den unbehaarten Pfotenunterseiten, die bei großer
Hitze oder Angst feucht werden können.
Hinterlässt eine Katze feuchte Fußabdrücke
und hechelt stark, deutet das auf einen Wärmestau
hin und erfordert sofortige Kühlung.
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Literatur:
Pollard, M.: Katzen, Parragon 2003
Müller, U.: Katzen, München o.J.
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