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Zwischen Verehrung und Verachtung


In der Geschichte wurde die Katze mal als Gottheit, mal als Dämon angesehen. Aber auch heute noch ist die Katze teilweise eng mit abergläubischen Ansichten verknüpft.
Wohl kein anderes Haustier löst so unterschiedliche Emotionen aus wie die Katze. Die einen verehren sie als samtpfötige eigenständige Wesen, die anderen verabscheuen sie in gleichem Maß als hinterlistige Jäger.
Eines ist sicher: um eine Katze lieben zu können, muss man sie als eigenständigen, unbezähmbaren Charakter akzeptieren können. Das Motto der Katze lautet: "I am, what I am!", sie "gehört" niemandem

Um 3500 v.Chr. wurden Katzen in Ägypten wie Gottheiten verehrt. Sie galten als heilige Tiere der Fruchtbarkeitsgöttin Bastet. Aber auch nach Ende des Bastet-Kultes wurden die Katzen in Ägypten hoch verehrt. Das Töten oder Quälen einer Katze galt als Verbrechen, das schwer bestraft wurde. Deutlich wird das besonders beim Totenkult, in dem die Katzen als gleichwertige Familienmitglieder bestattet wurden.
Starb eine Katze, so rasierten sich die Miglieder einer Familie als Zeichen der Trauer ihre Augenbrauen ab. Zahlreiche Ehrungen wurden der toten Katze erwiesen. Sie wurde einbalsamiert, geschmückt und in einen meist kostbaren Sarg gelegt. Selbst einbalsamierte Mäuse wurden beigelegt, damit die Katze auf ihrer Reise in die andere Welt nicht hungern musste.

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts fiel die Katze bei der christlichen Kirche in Ungnade. Sie galt als Verkörperung des Heidentums, welches unerbittlich bekämpft werden musste. Die Inquisatoren des Mittelalters schrieben den Katzen dämonische Kräfte zu oder verbrannten sie als Hexen in Tiergestalt. In den Zeiten der Hexenverfolgung wurden Frauen teilweise schon der Ketzerei angeklagt, weil sie Besitzerin einer Katze waren. Anfang des 16. Jahrhunderts war die Verfolgung von Hexen und Katzen, basierend auf einer unheiligen Allianz aus Kirchenlehre und weit verbreitetem Aberglauben, in vollem Gange. In vielen Teilen Westeuropas wurden Katzen erhängt, auf Scheiterhaufen verbrannt oder in aufgehängten Körben geröstet. Unter dem Druck und der Folter der Inquisatoren gestanden viele "Hexen" sich in Katzen verwandeln zu können oder auf Katzen zu Satan geritten zu sein. Der Legende nach konnte sich eine Hexe neun Mal in eine Katze verwandeln. Darauf ist wahrscheinlich der Ausspruch "Neun Leben hat die Katz!" zurückzuführen. Heute wird fälschlicherweise oft von den "sieben Lebender Katze" gesprochen, was eventuell darauf zurückgeführt werden kann, dass die Zahl 7 mystischer anmutet als die Zahl 9.

Im 16. u. 17. Jahrhundert war in Mitteleuropa zudem der Aberglaube verbreitet, Katzen hätten Gewalt über Leichen und könnten die Toten in Vampire verwandeln. Katzen wurden aus Räumen ferngehalten, in denen Tote aufgebahrt lagen. Gelang einer Katze der Zutritt, wurde sie getötet oder fortgejagt. Bis zur Veröffentlichung von Bram Stokers "Dracula" 1897 gab es keine Verbindung von Vampiren und Fledermäusen. Traditionell waren Vampire entweder Katzen oder Wölfe.
Mancher Aberglaube rund um die Katze hält sich ansatzweise hartnäckig bis in die heutige Zeit. So soll eine schwarze Katze, die nachts den Weg von links nach rechts kreuzt, Unglück bringen.


Katzen und Hexen:Holzschnitt um 1600

Als Glückssymbol oder Unheilsbringerin hat die Katze in Mythologie und Volksglauben über Jahrhunderte eine große Rolle gespielt. Ebenso gegenwärtig war und ist die Katze in der bildenden Kunst.
In der Kunst ist das Motiv Katze seit jeher weit verbreitet. Von den Darstellungen im alten Ägypten bis in die Gegenwartskunst findet man die Katze, als Einzelmotiv oder Bildbestandteil, auf zahllosen Werken.


Renoir


Marc


Picasso

Literarisch wurde die Katze u.a. als der "gestiefelte Kater", die berühmte "Grinsekatze" aus Lewis Carrolls Alice im Wunderland, "Kater Mikesch", als Krimikater "Francis" aus Akif Pirinccis Buch Felidae oder Elke Heidenreichs "Nero Corleone" verewigt. Ebenfalls Hauptdarsteller waren die Katzen in Trickfilmen wie "Felix the cat", "Tom und Jerry" und "Aristocats". Den größten Bühnenerfolg erlebte die "Katze" in Andrew Lloyd Webbers Musical "Cats".