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Frettchen als Haustiere?
Das Frettchen ist die domestizierte Form des Iltisses,
einer europäischen Marderart. Schon lange bevor
die Katze als Mäusefänger eingesetzt wurde,
hielt man gezähmte Iltisse um Ratten, Mäuse
und Schlangen von Haus und Hof fernzuhalten. Bereits
im 4. Jahrhundert vor Christus berichtet Aristoteles
vom "Ictis" als hilfreichem Jagdgefährten.
Auch heute werden Frettchen noch häufig zur Kaninchenjagd
eingesetzt.
Frettchen sind keine Nagetiere, sondern gehören
zu den Raubtieren!
Frettchen sind keine Wildtiere!
Durch Jahrhunderte der Domestizierung würde ein
Aussetzen im Wald ihren Tod bedeuten!
Und nun zur Frage, ob man Frettchen als Haustier halten
sollte. Obwohl ich selbst seit etlichen Jahren Frettchen
halte, muss ich mich eindeutig gegen den momentanen
Trend zur Frettchenhaltung aussprechen! Auf keinen Fall
sind Frettchen als Streicheltiere für Kinder geeignet!
Frettchen sind sehr anspruchsvolle Tiere und benötigen
eine aufwendige Ausstattung und Pflege um ihnen ein
annähernd artgerechtes Leben zu bieten.
Ein absolutes Tabu ist der Kauf eines Frettchens in
einer Zoohandlung! Mitgliedsfirmen des Zentralverbandes
Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. verzichten
ganz auf die Präsentation von Frettchen.
Aufgrund unüberlegter Anschaffung und der damit
oft einhergehenden Überforderung der Besitzer steigt
die Anzahl der abgegebenen Frettchen in Tierheimen und
bei den Frettchenhilfen jährlich.
Wer sich ein Frettchen anschaffen möchte muss sich
im Klaren sein, dass er 8 - 12 Jahre die Verantwortung
für die kleinen Marder übernehmen muss. Wichtig
ist auch zu wissen, dass Frettchen einen sehr ausgeprägten
Eigengeruch haben, dass die Unterbringung in Urlaubszeiten
wesentlich problematischer ist als bei Hund oder Katze
und das besonders bei älteren Tieren aufgrund der
Krankheitsanfälligkeit hohe Tierarztkosten und
Mühen entstehen können. Darüber hinaus
ist es unverantwortlich Frettchen als Einzeltiere zu
halten.
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Hält man Fähen (weibliche
Tiere) und Rüden (männliche Tiere) gemeinsam,
ist eine Kastration der Fähe zwingend notwendig!
Ansonsten kommt es früher oder später
zur Dauerranz, die oft tödlich endet oder
zu schwerwiegenden Krankheitsbildern aufgrund
permanenter Hormonausschüttung führt.
Ich selbst hatte eine in der Dauerranz befindliche
Fähe, die nur knapp durch eine Notoperation
gerettet werden konnte. Dies gelingt allerdings
nur selten und ist mit sehr hohen Tierarztkosten
und monatelanger Nachpflege verbunden. Und selbst
mit viel Glück und bester Pflege bleiben
meist Folgeschäden, z.B. des Knochenapparates
oder innerer Organe. Eine Fähe kann mit ca.
8 Monaten das erste Mal ranzig werden, wird sie
dann nicht gedeckt, kann es bereits zu einer Dauerranz
kommen.
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Physiologische Daten
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Lebenserwartung
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8 - 12 Jahre
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Größe
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25 - 60 cm, Rüden können
doppelt so groß wie die Fähe
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Gewicht
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Das Gewicht ist abhängig
von Geschlecht und Jahreszeit
- durchschnittlich: 500 g - 2, 0 kg
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Besonderheiten
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Es fehlen das Schlüsselbein
und der Blinddarm. Schlecht ausgeprägte
Schweißdrüsen und Netzhautzapfen
(geringes Farbsehen).
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Zehen
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- 5 Zehen an jedem Lauf,
Sohlengänger, Krallen nicht rückziehbar
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| Zähne |
34 Zähne |
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Atemfrequenz
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30-50 Atemzüge/Minute
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Herzfrequenz
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210-250 Herzschläge/Minute
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Gesetzliche Bestimmungen
Deutschland:
Einige Vermieter wehren sich gegen die Haltung mit
der Argumentation, daß es zu einer starken Geruchsbelästigung
der Nachbarn kommt. Das Amtsgericht Augsburg (AZ:
6C5758/94) hat bereits 1995 entschieden, daß
Frettchen als "Kleintiere im Sinne des Mietrechts"
gelten und damit grundsätzlich nicht verboten
werden können. Die Tiere stellten keinerlei Gefahr
für andere Mieter dar - obwohl es sich nicht
um Nagetiere, sondern um kleine Raubtiere handelt.Störungen
z. B. durch Geruch gelten jedoch als Grund, die Haltung
zu untersagen. Insofern kann der Vermieter auch auf
die Haltung von "Kleintieren" Einfluss nehmen.
Im Tierschutzgesetz wird die Beseitigung der von den
Geschlechtsorganen getrennten Analdrüsen, über
die Frettchen bei Stress besondere Gerüche absondern
können, verboten und unter Strafe gestellt!
Die Entfernung aufgrund einer veterinär-medizinischen
Indikation ist natürlich ausgenommen. Der Eigengeruch
des Frettchens wird durch das Entfernen der Analdrüsen
oder die Kastration nicht unterbunden! Frettchen
haben nun mal ihren ausgeprägten Wildgeruch und
dagegen gibt es kein Mittel - das muss man als Frettchenhalter
vorher wissen und akzeptieren!
Österreich:
Es liegen keine Halterbestimmungen vor.
Schweiz:
Iltisse und Frettchen sind gleichgestellt sowie gesetzlich
geschützt. Vor der Anschaffung von Frettchen
muss beim Kantonalen Veterinäramt eine Bewilligung
zur Wildtierhaltung eingeholt werden. Diese wird erst
dann erteilt, wenn das Gehege und die artgerechte
Haltung der Tiere vom zuständigen Bezirksveterinär
geprüft und abgenommen wurde. Eine entsprechende
Verordnung regelt die Haltung und die Minimalgröße
des Käfigs. Ferner ist eine Tierbestandskontrolle
zu führen.
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Artgerechte Haltung
Der wichtigste Punkt vorweg: Frettchen sollte
man nie einzelnd halten! Im Gegensatz zu Iltissen
sind Frettchen sehr gesellige Tiere und müssen
mit Artgenossen zusammenleben! Frettchen würden
in Einzelhaltung ihr natürliches Sozialverhalten
verlieren und schwere Verhaltensstörungen
können die Folge sein.
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Frettchen sind keine Käfigtiere!
Sie benötigen einen großen Stall
oder besser noch ein geräumiges Außengehege.
Wichtig ist für die Frettchen ein Höhlenersatz,
z.B. in Form einer Schlafkiste, in den sie sich
zurückziehen können. Sehr beliebt
bei den Tieren sind Tücher und Wolldecken
zum Einkuscheln! Egal wie groß Stall oder
Gehege auch sein mögen, die Tiere benötigen
täglichen Auslauf und vielfältige
Beschäftigungsmöglichkeiten. Frettchen
sind von Natur aus reinliche Tiere und in der
Regel benutzen sie eine im Stall aufgestellte
Katzentoilette. Hat der Stall mehrere Ebenen
sollte auf jeder Etage eine Katzentoilette in
der Ecke stehen. Trotzdem kann man keine 100%
an Stubenreinheit erwarten. Beim Spielen vergessen
Frettchen schnell einmal vohin sie ihr Geschäft
machen. Davon einmal abgesehen ist tägliche
Stallreinigung Pflicht, da die Tiere oft Futtervorräte
verstecken. Verdorbene Futterreste führen
schnell zu ernsten Erkrankungen.
Die Umgebungstemperatur sollte 5° - 28°
C betragen, ab 32° C besteht akute Hitzschlaggefahr,
die schnell zum Tode führen kann.
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Im Sommer sollte den Tieren
eine Bademöglichkeit zugänglich sein.
Sie können sich bei Bedarf abkühlen
und lieben es im Wasser herumzuplanschen. Ein
Irrglaube ist es aber, durch häufiges Baden
den Geruch eines Frettchens unterbinden zu können
- Shampoo und Seife schaden der Frettchenhaut
und die Drüsen produzieren nur vermehrt
Geruchsstoffe! Frettchen kann man nicht wie
Hund oder Katze permanent frei in der Wohnung
halten! Sie haben es sehr schnell raus, wie
man Schränke und Taschen öffnet (selbst
Reißverschlüsse sind vor einem Frettchen
nicht sicher), räumen Regale leer, verstecken
Gegenstände und ihr Wildgeruch setzt sich
in Teppichböden und Textilien fest. Zum
Schutz der Tiere (und ihrer Wohnungseinrichtung)
muss der Freigang im Haus unter Aufsicht stattfinden.
Es gibt Fettchenhalter, die ihr Tier an der
Leine "spazieren führen". Meiner
Ansicht nach sind diese Frettchenleinen wenig
geeignet, da sie dem natürlichen Drang
des Frettchens, seine Umgebung zu erkunden,
widersprechen. Die Tiere folgen einem Geruch
meist nicht in einer gradlinigen Spur, wie z.B.
Hunde es tun. Sie wechseln abrupt, mal rennend,
schleichend oder hüpfend, die Richtung.
Die Kombination aus hektischem Umherstreifen
und langen Schnupperphasen ist einem an der
Leine geführten Frettchen nicht möglich.
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Ernährung
Die Nahrungszusammenstellung ist beim Frettchen
sehr wichtig, da es schnell zu Mangelerscheinungen
kommen kann.
Die Tiere haben einen hohen Eiweiß-
und Proteinbedarf. Das Futter sollte zu
80% aus Fleisch bestehen. Um ein Defizit
an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen
zu verhindern ist es sinnvoll handelsübliches
Katzenfutter zu verwenden (Hundefutter enthält
zu wenig Eiweiß!). Dabei sollte nicht
nur Dosenfutter (Nassfutter), sondern zur
Stärkung des Kauapparates und zur Reinigung
der Zähne auch Katzentrockenfutter
verfüttert werden. Zusätzlich
füttert man in kleinen Portionen Obst
und Gemüse (Schlangengurke, Apfel,
geschälte Tomaten, reife Bananen, Melone
ect.).
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Frisches Wasser
sollte täglich in einem Trinknapf und
einer Nippeltränke vorhanden sein. Beim
2x jährlich stattfindendem Haarwechsel
entsteht ein erhöhter Vitaminbedarf!
Handelsübliche Vitaminpasten, ein Leckerbissen
für Frettchen, sollte man allerdings
nur sparsam anwenden. Bei Krankheit oder schlechtem
Allgemeinbefinden, oder auch als "Leckerli",
ist eine Zufütterung von Babybrei auf
Fleischbasis (z.B. Hipp: Hühnchen- oder
Rindfleischzubereitung) empfehlenswert.
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