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Menschen & andere Affen

von Marion Selig, in:tierrechte 1.04, Nr.27

Zoologisch gesehen gehört der Mensch zu den Säugetieren und hier zur Ordnung der Primaten. Die Primaten umfassen etwas 230 Arten - darunter so unterschiedliche wie der Gorilla und der nur etwa 15 Zentimeter große Koboldmaki - und gliedern sich in die Halbaffen und die "echten" Affen auf. Bei Letzteren, welche die Menschen besonders faszinieren, werden die in Südamerika lebenden Neuweltaffen und die in Afrika und Asien beheimateten Altweltaffen unterschieden.

Neuweltaffen
Die Heimat der Neuweltaffen reicht von Mexiko bis Südamerika. Sie sind ausschließlich Baumbewohner. Ihre Nahrung besteht aus Pflanzen, Insekten und Vögeln. Die meisten Arten sind tagaktiv, einige wenige aber Dämmerungs- und wirkliche Nachttiere. Zu den Neuweltaffen gehören die Familien der Springtamarine, Kapuzinerartigen (z.B. Totenkopfäffchen) und Krallenaffen (z.B. Marmosetten, Löwenäffchen).

Altweltaffen
1.Menschenaffen
Hierzu gehören Gorilla, Schimpanse, Bonobo und Orang-Utan, die zusammen auch als "große Menschenaffen" bezeichnet werden.
Der Gorilla ist mit einer Größe bis zu etwa zwei Metern und einem Gewicht bis zu 200 Kilogramm der größte unter den Menschenaffen. Gorillas leben in kleinen Gruppen von fünf bis 20 Mitgliedern, darunter stets nur ein ausgewachsenes männliches Tier. Sie verständigen sich untereinander in einer eigenen Sprache und leben von einer sehr abwechlungsreichen pflanzlichen Kost sowie Insekten. Ihr Lebensraum ist der afrikanische Regenwald mit üppigem Unterwuchs, etwa entlang von Flussläufen oder Berghängen. Die friedfertigen Riesen haben nur einen Feind: den Menschen.
Schimpansen leben in Regenwäldern ebenso wie in offenen Savannengebieten. In lockeren Gemeinschaften von etwa 20 bis 60 Mitgliedern leben Tiere beiderlei Geschlechts und aller Altersklassen zusammen. Ihr Revier umfasst zehn bis 50 Quadrarkilometer. In den Gemeinschaften bestehen enge Familienbande. Die Tiere pflegen auch als Erwachsene Kontakt mit Mutter, Geschwistern und Tanten. Sie verfügen über eine Sprache und

verständigen sich mit Gesten und Bewegungen, die uns Menschen sehr vertraut vorkommen. Neben pflanzlicher Kost ernähren sich Schimpansen auch von Insekten und kleinen Säugetieren.
Der Bonobo wird häufig als Zwergschimpanse bezeichnet, ist jedoch etwa gleich groß wie der Schimpanse. Sein Lebensraum sind ausschließlich die tief liegenden Regenwälder der Republik Kongo. Auch Bonobos leben in Gemeinschaften. Diese werden aber - im Gegensatz zu den Schimpansen - von weiblichen Tieren dominiert. Bonobos sind außerdem im täglichen Leben weitaus friedfertiger als Schimpansen, die mit benachbarten Verbänden mitunter Kriege führen.
Orang-Utans haben ihre Heimat in den tropischen Regenwäldern der Inseln Sumatra und Borneo. Ihr Name bedeutet "Waldmensch" und stellt so die nahe Verbindung zum Menschen heraus. Der Orang-Utan hält sich überwiegend im Kronenbereich der Bäume auf und schläft auch hier. Wenn die Dämmerung kommt, baut sich jeder "Waldmensch" in luftiger Höhe ein Nest. Im Gegensatz zu den afrikanischen Menschenaffen lebt der Orang-Utan überwiegend als Einzelgänger.

2. Gibbons
Die Gibbons oder "kleinen Menschenaffen" sind in den Regenwäldern Südostasiens und der Großen Sudainseln zu Hause. Es gibt mehrere Arten und wie der Orang-Utan leben sie vor allem in der "oberen Etage" der Wälder. Hier bewegen sie sich an den Armen hängend und schwingend schnell und mit traumhafter Sicherheit durch das Astwerk. Sie leben in monogamen Familiengruppen, die aus den Eltern und einem bis drei Nachkommen bestehen. In ihrem Wohngebiet dulden die Gibbons keine fremden Artgenossen.

3. Hundsaffen
Die größte Familie der Altweltaffen bilden die Hundsaffen mit mehreren Unterfamilien und zahlreichen Arten. Sie kommen in Afrika und in Asien vor und zu ihnen gehören die Makaken - darunter Rhesus-, Berber- und Javaneraffen- sowie die Paviane.

Ein Teil des Ganzen...
Die Zoologie zählt zu den Altweltaffen nicht nur die Familien der Menschenaffen, Gibbons und Hundsaffen, sondern auch die Menschen als vierte Familie. Menschen, Menschenaffen und Gibbons werden in der Überfamilie "Menschenartige" zusammengefasst. So gesehen ist die Grenze zwischen Mensch und Tier, wie sie üblicherweise gezogen wird, nicht vorhanden. Die Übergänge sind fließend und wir Menschen nicht etwa die "Krone der Schöpfung", sondern lediglich ein Teil des Ganzen.

 
 
 

Menschenrechte für Menschenaffen

Meist wird der Begriff "Kultur" als ureigenes Merkmal der Spezies Mensch angesehen. Das Menschenaffen nicht nur Traditionen pflegen,sondern dabei verschiedene Kulturen entwickelt haben, konnten Wissenschaftler in den letzten Jahren belegen.
Zu den erstaunlichsten Merkmalen der Menschenaffen zählen Werkzeuggebrauch, Selbstmedikation und ein komplexes Sozialverhalten. Sie zeigen Mitgefühl, verhalten sich diplomatisch, lernen voneinander und geben ihr Wissen generationsübergreifend weiter.
Der genetische Code von Schimpansen und Menschen ist zu 99% identisch.

Einige Wissenschaftler führen die Fähigkeit zur "Sprache" als Haupunterscheidung zwischen Mensch und Tier an. Die Frage, ob Affen sprachliche Fähigkeiten besitzen, hat ganze Generationen von Wissenschaftlern entzweit. Mittlerweile ist es Affenforschern gelungen mittels Gebärdensprache, Ideogrammen und Computern mit Menschenaffen, zumindest eingeschränkt, zu kommunizieren.
Im internationalen "Great Ape Project" haben sich Menschen zusammengeschlossen, die die großen Menschenaffen nicht länger als Sachen, sondern als Personen anerkennen wollen. Dazu gehört auch den Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Bonobos bestimmte Rechte zuzusprechen.
• Recht auf Leben (Menschenaffen dürfen nur in Notwehr getötet werden).
• Schutz der individuellen Freiheit (Menschenaffen dürfen nur ihrer Freiheit beraubt werden, wenn sie in Freiheit eine Gefahr für andere darstellen).
• Verbot der Folter (Menschenaffen darf nicht böswillig oder für den angeblichen Nutzen anderer wissentlich Schmerz zugefügt werden).
Einzig Neuseeland hat bislang einen Amnsatz zur Umsetzung dieser Forderungen gemacht: Seit 1999 darf dort mit Menschenaffen nur noch experimentiert werden, wenn die Ergebnisse den Affen selbst oder ihrer Spezies zugute kommen. Tierversuche zum "Nutzen" der Menschen sind dagegen verboten.

Weitere Informationen: Great Ape Project

 
 
 

Bedrohung durch den Menschen

Die Menschenaffen sind in ihrem Bestand extrem gefährdet. Im WAA werden sie in Anhang I geführt. Ihr Überleben ist vor allem durch die zunehmende Zerstörung der tropischen Regenwälder gefährdet. Jede Minute wird eine Waldfläche in der Größe von 37 Fußballfeldern vernichtet. Im afrikanischen Kongobecken, der zweitgrößten Regenwaldfläche der Welt, wurden schon zwei Drittel der ursprünglichen Wälder gerodet. In Zentralafrika sind 90% der - meist europäischen - Holzkonzerne im zuvor unberührten Regenwald angesiedelt. Die kommerzielle Holzwirtschaft in den afrikanischen Tropen hat seit Beginn der 90er-Jahre erheblich zugenommen.
Aber nicht nur die Zerstörung ihres Lebensraumes gefährdet die Tiere. Sie sind eine beliebte Beute bei Jägern und Tierhändlern.

Die dramatische Zunahme des Wild-Handels wurde vor allem durch die Erschließung früher unzugänglicher Gebiete durch Holzkonzerne und Minengesellschaften ermöglicht. Auf den neu angelegten Straßen und oft auf den Transportfahrzeugen der Konzerne gelangen Jäger in die entlegensten Waldregionen, erlegen von der Fledermaus bis zum Elefanten alles, was sie erwischen können. Realistische Schätzungen gehen davon aus, dass jährlich bis zu 4 Mio. Tonnen Bushmeat (Wildfleisch) aus den west- und zentralafrikanischen Wäldern geholt werden. Das Affenfleisch gilt dabei als besondere Delikatesse.
Zwar gibt es viele internationale und nationale Gesetze zum Schutz der Wildtiere, doch werden sie meist ignoriert. Oft fehlen politischer Wille, Geld und Personal. Weitere Hemmnisse sind die politische Instabilität und die allgegenwärtige Korruption.
Es gibt auch grenzüberschreitenden Bushmeat-Handel. So werden z. B. Märkte der Zentralafrikanischen Republik immer noch mit Tierarten beliefert, die im eigenen Land durch Überjagung zu selten geworden sind. Selbst in Europa werden gebratener Gorilla, Schimpanse in Erdnusssoße oder gebackener Flughund in exotischen Restaurants angeboten.
In der Volksrepublik Kongo und in Kamerun werden jährlich jeweils mehr als 800 Gorillas getötet. Allein in der Stadt Brazzaville wurde in einem Jahr das Fleisch von 293 Schimpansen verkauft. Der verhängnisvolle Einfluss der Wilderei ist durch indirekte Folgen für die Menschenaffen noch wesentlich größer: Sie verfangen sich in für andere Tiere ausgelegten Drahtschlingen und erleiden schmerzhafte Verstümmelungen und Infektionen, die zum Tod führen können. Durch hohen Jagddruck in ihren angestammten Gebieten werden sie in andere Regionen abgedrängt, wo es zu Nahrungskonkurrenz und aggressiven Auseinandersetzungen mit Artgenossen und anderen Tieren kommt. Die Sozialsysteme werden durch den Abschuss einzelner Tiere empfindlich gestört. Grundsätzlich sind alle Infektionskrankheiten von Menschenaffen auf Menschen übertragbar - und umgekehrt! Die Zerlegung oder Zubereitung frisch getöteter Affen ist daher mit einem hohen Ansteckungsrisiko, z.B. mit gefährlichen Viruserkrankungen wie Ebola, verbunden.
Nebenprodukte des Bushmeat-Handels sind die Waisen, deren Mütter getötet wurden. Die Jäger nehmen sie als Spielzeug für ihre Kinder mit oder verkaufen sie. Die meisten sterben nach wenigen Tagen qualvoll und traumatisiert an Krankheiten, Fehl- oder Unterernährung. Von schätzungsweise 2000 Menschenaffenwaisen pro Jahr finden nur etwa 50 Platz in einer Auffangstation.
Ein weiterer qualvoller Missbrauch unserer nächsten Verwandten findet täglich weltweit in Tierversuchlaboren statt.

Weitere Informationen zum Thema:
Jane Goodall Institut Deutschland
Bushmeat-Kampagne